Sonstige Falschberatung

Rechtsansprüche auf Schadensersatz und somit auf vorzeitigen Ausstieg aus der geschlossenen Fonds-Beteiligung bestehen für den Anleger zudem dann, wenn er von dem Anlageberater bzw. Anlagevermittler fehlerhaft beraten wurde. Häufig haben Banken geschlossene Fonds-Beteiligungen angeboten. Der Bankberater schuldet hier eine Beratung, die auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden zugeschnitten ist. Die Beratung muss nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs anleger- und anlagegerecht sein. Hierzu gehört insbesondere, dass der Berater oder Vermittler die geschlossene Fonds-Beteiligung auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit überprüft hat (Plausibilitätsprüfung). Bei einer Bankberatung ist die Bank im Übrigen verpflichtet, das Investment mit banküblichen kritischen Sachverstand zu prüfen (vgl. BGH, Urteil vom 07.10.2008, Aktenzeichen: XI ZR 89/07). Hier muss der Anleger von der Bank über allgemeine und spezielle Risiken der Kapitalanlage aufgeklärt werden. Bei einer geschlossenen Fonds-Beteiligung bestehen spezielle Risiken insbesondere in dem Totalverlustrisiko, den langen Laufzeiten und der eingeschränkten Handelbarkeit (Fungibilität) der Beteiligung und der Höhe der Nebenkosten (sog. Weichkosten). 

Nicht zuletzt muss der Anlagevermittler oder Anlageberater darauf hinweisen, wenn die Wirtschaftspresse negativ über die Beteiligung berichtet. Der Bundesgerichtshof zählt zur Wirtschaftspresse beispielsweise das Handelsblatt, die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Börsenzeitung (vgl. BGH, Urteil vom 07.10.2008, Aktenzeichen: XI ZR 89/07). Erlangt der Vermittler oder Berater Kenntnis von einem negativen Bericht in der Wirtschaftspresse, muss er diesen Bericht bei Prüfung der Kapitalanlage zwingend berücksichtigen. Sofern sich in der Presse eine negative Meinung über den jeweiligen geschlossenen Fonds durchgesetzt hat, muss der Berater seinen Kunden ausdrücklich hierauf hinweisen.