Kriselnde Fonds

Chancen und Risiken geschossener Fonds

Die Aussicht auf gute Renditechancen verleitet Anleger häufig dazu, sich an geschlossenen Fonds zu beteiligen und damit ein unternehmerisches Risiko auf sich zu nehmen, ohne im Vorhinein über dieses aufgeklärt zu sein. Die Erfahrung zeigt, dass viele Beteiligungen angesichts der doch zahlreichen Risiken nicht für den durchschnittlichen Anleger geeignet sind.

Chancen

Geschlossene Fonds werden in der Regel als Kommanditgesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH & Co.KG) konzipiert. Der Anleger beteiligt sich an der speziell für das Projekt gegründeten Fondsgesellschaft als Kommanditist. Hiermit sind zumeist für die Anleger Teilnahme und Stimmrecht in der Gesellschafterversammlung sowie volle Gewinnrechte verbunden.

Kurzfristige Wertschwankungen sollen über die langfristige Anlagedauer minimiert werden.

Volkswirtschaftlich betrachtet ist dem geschlossenen Fonds durchaus Bedeutung zuzumessen: Unter anderen werden wichtige Wirtschaftszweige wie die Schifffahrt und die Erneuerbaren Energien zu großen Teilen durch geschlossene Fonds finanziert und sichern auf diese Weise Arbeitsplätze.

Risiken

1. Emissionskosten

Über einen gewissen Zeitraum werden die Kommanditanteile zum Verkauf angeboten. Sobald die einzuwerbende Kapitalquote erreicht ist wird der Fonds geschlossen. Mit dem eingeworbenen Kapital (Eigenkapital) werden die Emissionskosten bezahlt und die Anlagegüter erworben. Die Emissionskosten von geschlossenen Fonds sind zumeist sehr hoch (15-20%) und sind aus diesem Grunde immer wieder Kritikpunkt der Verbraucherschutzorganisationen.

2. Totalverlustrisiko/Nachschusspflichten

Durch eine ungünstige wirtschaftliche Entwicklung oder Fehler der Fondsverwaltung kann es zum Totalverlust des Investments kommen, ein Einlagensicherungsfonds existiert nicht. Hier kann es in der Praxis je nach Rechtsform des Fonds zu Nachschusspflichten der Anleger kommen, insbesondere bei GbR-Fonds. Auch wenn nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH II ZR 36/07 und BGH II ZR 231/07) nicht ohne weiteres von einer Nachschusspflicht für den GbR-Gesellschafter ausgegangen werden kann, so haftet er dennoch persönlich für die Verbindlichkeiten der GbR und hat im Falle des Falles die Wahl zwischen Insolvenz der Anlage und freiwilligem Nachschuss. Diejenigen Gesellschafter, die sich nicht freiwillig an der Sanierung des Fonds durch freiwilligen Nachschuss beteiligen, dürfen laut BGH von den übrigen Gesellschaftern ausgeschlossen werden. In der Folge müssen die scheidenden Gesellschafter die Folgen – sofortiger Ausgleich des „negativen Auseinandersetzungsguthabens“ – tragen (BGH II ZR 240/08; siehe hierzu auch Pressemitteilung des BGH Nr. 215/2009). Dies dann einem Nachschuss gleichkommt. In dieser Hinsicht besser gestellt sind die Gesellschafter eines KG-Fonds. Der Anleger, der als Kommanditist an einem Fonds beteiligt ist, haftet lediglich mit seiner Einlage. Allerdings kann im Krisenfall die bereits erfolgte Ausschüttung über § 172 IV HGB zurückgefordert werden.

3. Mangelnde Fungibilität

Geschlossene Fonds werden für eine bestimmte, vom Initiator festgelegte Laufzeit aufgelegt. In der Regel ist von langfristigen Projekten über 20 – 30 Jahre auszugehen. Für diese Zeit bindet sich der Anleger an die Beteiligung, ein Börsenhandel oder eine Rückgabemöglichkeit an den Initiator wie bei Investmentfonds besteht nicht. Während der Laufzeit des Fonds ist ein Ausstieg aus der Beteiligung nur möglich, wenn der Anleger selbst einen Käufer findet. Bis heute existiert kein geregelter Zweitmarkt für diese Anteile und ein Verkauf ist zumeist mit großen finanziellen Einbußen verbunden.